intro nicht gefunden menschen-followingpage

Man kann nie genug tun,
wenn es um Nachhaltigkeit geht

Im Interview mit Bernd Osterloh,
Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats

Der Betriebsrat in unserem Unternehmen fördert, initiiert gar eigene CSR-Projekte. Warum eigentlich? Ist das nicht primär eine Managementaufgabe?

Osterloh: Gesellschaftliche Verantwortung darf man nicht dem anderen überlassen. Jeder muss sie übernehmen. Das gehört zu unserem Selbstverständnis. Und man darf nicht nur reden, sondern muss konkret etwas tun. Vor mittlerweile 16 Jahren hat der Konzernbetriebsrat deswegen zum Beispiel die Aktion „Eine Stunde für die Zukunft“ gestartet. Gemeinsam mit dem Kinderhilfswerk terre des hommes helfen wir weltweit Straßenkindern. In all den Jahren haben wir mehr als 130 Projekte in sechs Ländern gefördert.
Seit 2010 gibt es außerdem das Sonderprojekt „a chance to play“. Bei den Fußballweltmeisterschaften in Südafrika und in Brasilien haben wir dafür gesorgt, dass mehr als 100.000 sozial benachteiligte Kinder Sport-, Spiel- und Lernangebote bekommen.
Aber wir wissen, dass Kinderarmut auch ein Thema direkt bei uns vor der Haustür ist. Um dagegen etwas zu unternehmen, haben wir die Initiative „Starthilfe“ gegründet. Sie fördert gezielt Kitas und Grundschulen mit Projekten in den Bereichen „Essen“, „Lernen“, „Bewegen“ und „soziale Entwicklung“.

Die Volkswagen Belegschaftsstiftung ist ein besonderes Beispiel des gelebten Engagements der Mitarbeiter. Gibt es Projekte, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Osterloh: Die Volkswagen Belegschaftsstiftung gibt es seit 2011. Mit ihr knüpfen wir an unsere bisherigen Kinderhilfsprojekte an. Dabei geht es uns speziell um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche im Umfeld der weltweiten Standorte des Volkswagen Konzerns. Ihnen wollen wir die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben geben. Sie können sich vorstellen, dass mir jedes einzelne Projekt wichtig ist, weil jedes Projekt seine Berechtigung hat. 100 Ausbildungsplätze in Portugal, der Aufbau eines Berufsbildungszentrums in Indien, Ausbildungsprojekte in Brasilien und Argentinien, Hilfen für Berufseinsteiger in Italien – wo soll ich aufhören? Jedes Projekt ist das Wichtigste und liegt mir am Herzen.

Warum sind Nachhaltigkeit und Verantwortung aus Sicht des Betriebsrats für ein globales Unternehmen wie Volkswagen so wichtig? Glauben Sie, dass das Unternehmen schon genug tut, um das ehrgeizige Ziel – das nachhaltigste Unternehmen der Branche zu werden – auch tatsächlich zu erreichen?

Osterloh: Armut muss bekämpft, Natur geschützt, Kultur gepflegt werden. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, der sich auch Unternehmen nicht entziehen dürfen. Volkswagen hat das schon seit Jahren verinnerlicht und ist in vielen Bereichen sicherlich Vorreiter. Aber meine ehrliche Antwort auf Ihre Frage lautet: Man kann nie genug tun, wenn es um Nachhaltigkeit geht – und ich bin sicher, das weiß auch unser Management.

Armut muss bekämpft, Natur geschützt, Kultur gepflegt werden.

Die Mitbestimmung der Arbeitnehmer spielt im Volkswagen Konzern eine wichtige Rolle, der Konzernbetriebsrat verfolgt das Ziel, auch an den internationalen Standorten Arbeitnehmervertretungen aufzubauen. Welchen Nutzen verspricht man sich davon? Wo stehen Sie hier aktuell?

Osterloh: Volkswagen ist heute auch deswegen so erfolgreich, weil es im Unternehmen eine starke Mitbestimmung gibt. Daran zweifelt heute niemand mehr. Für uns geht es also darum, zu schauen, was man von dem in Deutschland sehr gut funktionierenden Modell der Mitbestimmung an den internationalen Standorten praktizieren kann. Ob Indien, Portugal oder Brasilien – die Rahmenbedingungen sind dabei sehr unterschiedlich und müssen selbstverständlich berücksichtigt werden. Für uns ist und bleibt jedenfalls das Wichtigste, dass unsere Kolleginnen und Kollegen ihre Interessen gegenüber dem Management vertreten können. Dafür braucht es klare Strukturen und verbindliche Regeln. Und die können im Einzelfall durchaus unterschiedlich sein – entscheidend ist doch einzig und allein, dass die Wünsche und Bedürfnisse der Belegschaften nicht unter die Räder kommen. Volkswagen versteht das, deswegen will unser Unternehmen ja auch bester Arbeitgeber werden. Das ist für mich ein sehr lohnendes Ziel.

Volkswagen ist heute auch deswegen so erfolgreich, weil es im Unternehmen eine starke Mitbestimmung gibt.

Die Automobilbranche ist im Umbruch: Die Digitalisierung wird nicht nur die Autos, sondern auch die Arbeitswelt von morgen prägen. Worin bestehen die größten Herausforderungen für den Volkswagen Konzern? Was kommt auf die Arbeitnehmer zu?

Osterloh: Digitalisierung gibt es nicht erst seit heute. Und es ist auch nicht die erste einschneidende Veränderung, die die Automobilbranche erlebt. Wie immer gibt es bei Veränderungen Chancen und Risiken. Sicherlich werden sich mit der Digitalisierung auch Arbeitsabläufe und Prozesse ändern. Es ist unsere Aufgabe als Betriebsrat, das im Sinne der Belegschaft zu gestalten. Es geht also nicht darum, etwas aufzuhalten und auf der Bremse zu stehen, es geht vielmehr darum, das Potenzial der Digitalisierung auszuschöpfen. Damit verknüpft sind zum Beispiel Fragen von Ergonomie und Autonomie. Die Arbeit von morgen muss besser sein als die Arbeit von heute. Wenn uns das gelingt, dann haben wir etwas gekonnt.

Die Arbeit von morgen muss besser sein als die Arbeit von heute.

Der Volkswagen Konzern hat sich ein strenges Effizienzprogramm verordnet, um die neuen Herausforderungen angehen zu können. Sehen Sie die Unternehmensziele Beschäftigungssicherung und soziale Verantwortung dadurch gefährdet?

Osterloh: Wie kommen Sie da drauf? Das Effizienzprogramm wirkt genau in die andere Richtung. Es sichert nachhaltig Beschäftigung. Unser Vorstandsvorsitzender Professor Dr. Martin Winterkorn hat uns ja kein simples Sparprogramm verordnet, wir wollen die Prozesse im Unternehmen effizienter und damit wirtschaftlicher machen. Die Beschäftigten haben das von Anfang an verstanden und sind deswegen auch mit gutem Beispiel vorangegangen. Wir haben Dr. Winterkorn einen Ordner mit mehr als 500 konkreten Maßnahmen überreicht, die direkt aus der Belegschaft kommen. Und es gehen immer noch weitere Vorschläge bei uns ein. Denn unsere Kolleginnen und Kollegen wissen selbst am besten, wo Volkswagen noch ungenutzte Reserven hat und Chancen links liegen lässt. Ich würde mir von dem ein oder anderen unserer Manager wünschen, dass er mit derselben Kraft am Effizienzprogramm arbeitet, mit der wir es tun. Es geht um Verantwortung, die man übernehmen muss. Verantwortung für die Wirtschaftlichkeit und die Beschäftigungssicherung bei Volkswagen.

Es geht um Verantwortung, die man übernehmen muss.